Arbeitsgemeinschaft Gruppenanalyse mit Kindern und Jugendlichen e.V.

Geschichte der Arbeitsgemeinschaft

Vom kindergruppenanalytischen Dialog zum Arbeitskreis

Im Oktober 2003 trafen sich Mitglieder der Heidelberger und Berliner gruppenanalytischen Institute (Veronika Diederichs-Paeschke, Willi Meyer, Pieter Hutz, Gerhard Rudnitzki) erstmals in Berlin zu einem „kindergruppenanalytischen Dialog“. Bei dieser Gelegenheit wurde festgestellt, dass die kindergruppentherapeutische Initiative von Samuel R. Slavson keine nachhaltige Resonanz gefunden hatte. Gruppenanalyse wurde in Weiterbildungsinstituten überwiegend für die Arbeit mit Erwachsenengruppen vermittelt, auch wenn einzelne Institute bereits sequenzielle Anpassungen curricularer Inhalte für die Arbeit mit Kindergruppen vorgenommen hatten. So war das ursprüngliche Ziel der als Kooperationsprojekt geplanten kinder- und jugendlichengruppenanalytischen Workshops, die curricularen Inhalte einer Fort- und Weiterbildung für die Arbeit mit Kinder- und Jugendlichengruppen zu entwickeln.

Das Thema des ersten Workshops im September 2005 in Berlin hieß folgerichtig: „Erfahrungen, Perspektiven, curriculare Grundlagen“. Gerhard Rudnitzki nannte sein Impuls-Referat: „Anstöße für die Etablierung einer Fort- und Weiterbildung“. Ausdrücklich war ein mehrteiliges Projekt geplant, so stand es in der Einladung zum Workshop. Und der Vortrag machte deutlich, dass zur Erreichung eines so ambitionierten Ziels ein jährlich stattfindender Workshop allein nicht ausreichen würde. Um dieses Ziel zu erreichen, bedurfte es einer weiteren Arbeitsgruppe.  

Im Rahmen eines Institutstags des Heidelberger Instituts für Gruppenanalyse im September 2006 wurde daher die Konstituierung einer interdisziplinären Arbeitsgruppe für Kinder-und Jugendlichengruppenanalyse als vorrangige Aufgabe postuliert. Unter der Leitung von Katrin Stumptner fand daraufhin am 10.11.2006 ein erstes Treffen des  „Arbeitskreises Kinder- und Jugendlichengruppenanalyse – Curriculumsentwicklung“, kurz „Arbeitskreis Curriculum“, in Heidelberg statt.

Arbeitskreis und Workshop im Zusammenspiel

In der Folge wurden Arbeitskreistreffen zweimal jährlich, im März und Oktober, in Heidelberg organisiert. Weil AK-Mitglieder aber auch an den Workshops teilnahmen, fanden ab dem ersten Münchner Workshop im September 2009 aus zeitökonomischen Gründen die Herbsttreffen des AK am Ort des Workshops vor dessen Beginn statt. Die Märztreffen in Heidelberg wurden beibehalten.  

Auch wenn sich Workshop und Arbeitskreis in ihrer Ergebnisorientierung und Arbeitsweise deutlich unterschieden, profitierten sie doch erheblich voneinander, wenn es gelang, die jeweilige Perspektive der anderen Gruppierung zur eigenen hinzuzufügen.  

Seitens des Arbeitskreises gab es zudem immer wieder Initiativen, die eigenen Zwischenprodukte auf dem Weg zur Entwicklung eines Curriculums für Kinder- und Jugendlichengruppenanalyse den Teilnehmern des Workshops vorzustellen.

Erstmals geschah dies beim 4. kasuistischen Workshop 2008 in Heidelberg, als an Stelle eines Vortrags ein „Arbeitsgruppenbericht mit moderierter Perspektivdiskussion“ stattfand. Explizit wurde in den Einladungen zu den Workshops 2008 und 2009 das Ziel formuliert, „die gruppenanalytische Reflexion der vorgestellten Fälle für die Entwicklung eines Curriculums zur Ausbildung in Kinder- und Jugendlichengruppenanalyse zu nutzen“.

Im September 2010 in Berlin stellten AK-Teilnehmer die bis dahin in der eigenen praktischen Arbeit und der umfangreichen Literaturrecherche gewonnenen Erkenntnisse „zu Bedeutung, Technik, Setting und Chancen der gruppenanalytischen Arbeit mit Kindern und Jugendlichen“ in einem moderierten Podiumsgespräch unter dem Titel „You are pioneers“ der Workshop-Öffentlichkeit vor. Dieser Titel zitierte die Antwort des Gruppenanalytikers Malcolm Pines auf recherchierende Anfragen des AK in London, auf der Suche nach etwa dort bereits vorhandenen Erfahrungen.

Ab diesem Zeitpunkt gab es Veränderungen im Setting des Arbeitskreises. Die nach außen sichtbarste war, dass man sich nun als „geschlossene Gruppe“ definierte, um eine verlässliche und kontinuierliche Mitarbeit zu gewährleisten. Die administrative Leitung übernahmen Birgitt Ballhausen-Scharf und Christoph Müller. (Die Prozessdynamik des Arbeitskreises ist im Übrigen von Teilnehmern aus der Gruppe forschend begleitet worden, was wesentlich zum Ergebnis beigetragen hat. Darüber soll demnächst an anderer Stelle berichtet werden.)

2014 war es dann so weit: der „Arbeitskreis zur Förderung der Kinder- und Jugendlichengruppenanalyse“, wie er sich inzwischen nannte, konnte das von ihm entwickelte Curriculum den Workshopteilnehmern in Zürich vorstellen.

Damit war ein wichtiges Ziel erreicht. Jedoch war schnell klar, dass es sich lediglich um ein Etappenziel handeln konnte. Es stellte sich die weitere Aufgabe, nach Wegen zu suchen, wie das Curriculum in die je individuelle Aus- und Weiterbildungssituation der gruppenanalytischen Institute integriert werden könnte. Dies war bereits das in der Gründungsmatrix der Workshops anvisierte Ziel gewesen.

Vereinsgründung

Nach Fertigstellung des Curriculums 2014 änderte der AK erneut sein Setting. Er öffnete sich wieder für neue interessierte Teilnehmer, die Leitung übernahm nun Thomas Schneider. Den Rhythmus der Treffen im März und September wollte man für die anstehenden Aufgaben beibehalten. Da inzwischen die personelle Workshopgestaltung weitgehend von Arbeitskreismitgliedern übernommen worden war, beschloss der AK zudem auf seinem Treffen im September 2014 in Zürich, künftig die gesamte Workshoporganisation in die eigene Verantwortung zu übernehmen.  

Damit verbunden war die bereits einige Jahre zuvor entstandene Idee einer Institutionalisierung, um weitere Gestaltungsmöglichkeiten für die Verbreitung zu gewinnen und dieser kindergruppenanalytischen Methode in therapeutischen aber auch in nichttherapeutischen Arbeitsfeldern breitere Akzeptanz zu verschaffen.  

Um dieses Ziel zu erreichen, wurde bei den Treffen des AK im März 2015 in Würzburg und September 2015 in München nach intensiver Diskussion entschieden, den Weg zur Vereinsgründung einzuschlagen. Ein fünfköpfiges Koordinatoren-Team übernahm die Aufgabe, alle notwendigen Voraussetzungen dafür vorzubereiten. Unter der Moderation von Thomas Schneider erarbeiteten Thomas Jung, Matthias Wenck, Ilse Adami-Himmel und Furi Khabirpour die Entwürfe für Satzung und Geschäftsordnung sowie die Organisation einer Gründungsversammlung.  

Diese fand am 12. März 2016 in Würzburg statt. Aus dem 2006 in Heidelberg gestarteten Arbeitskreis Curriculum wurde ein gemeinnütziger Verein mit dem Namen: „Arbeitsgemeinschaft Gruppenanalyse mit Kindern und Jugendlichen e.V.“